Johann Wolfgang von Goethe
Weimar

"Einer Stadt kann kein größeres Glück begegnen, als wenn mehrere, im Guten und Rechten gleichgesinnte, schon gebildete Männer daselbst nebeneinander wohnen."

Johann Wolfgang von Goethe


Wenn man den Ortsnamen Weimar hört, dann richtet sich der erste Blick regelmäßig in die Vergangenheit. Goethe. Schiller. Bach. Herder. Wieland. Cranach. Liszt. Kotzebue. Richard Strauss. Jean Paul. Hoffmann von Fallersleben. Wagner. Liebermann. Böcklin. Gropius. Klee. Beckmann. Schlemmer.

Goethes Gartenhaus im Ilmpark Weimar - Stadt der Dichter und Denker.
Weimar ist eine Bühne. Deutschlands Geschichte unterm Brennglas, auf den Punkt gebracht. Faust und Buchenwald. Der Blick zurück ist charakterisiert mit Stolz und zugleich mit Verachtung. Weimar ist deutsche Geschichte, im Guten wie im Bösen.
Aber genau diese Gegensätze machen die Stadt, die so lieblich wie ein Idyll im Tale liegt, so spannend.
Die Kleinstadt zählt 60.000 Einwohner, eine Provinz natürlich. In einer Umfrage haben das mehr als die Hälfte der Weimarer selbst bescheinigt.

Goethe-Schiller-Denkmal Aber das kleine Weimar reizt und polarisiert. Das kleine Weimar wurde von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt. Weimar - Kulturstadt Europas 1999. In den Jahren davor galt die Stadt nach Berlin als die größte Baustelle der Republik. Alte Fassaden wurden aufpoliert, Straßen neu gepflastert und die grauen Schleier verwandelten sich in ein Fest fürs Auge. Klassik und Kleinstadtmuff, Vergangenheit und Gegenwart, Konservative gegen Modernisierer, das sind die interessanten Widersprüche von heute. Wer Weimar kennenlernen will, muss es sich erlaufen. Tagestouristen strömen in Gruppenführungen durch die Innenstadt, ein Blick ins Goethehaus und dann mit dem Bus wieder weg. Schade. Vom Bahnhofsvorplatz kommt man über die Carl-August-Allee entlang ins Zentrum. Weiter geht es durch die Karl-Liebknecht-Straße hinunter, an den ersten klassizistischen Bauten, an Bertuchhaus und Musikschule vorbei zum Goetheplatz mit dem alten Kasseturm und dem einstigen Lesemuseeum.

Zwiebelmarkt in Weimar Weiter in die Schillerstraße, zum Goethe-Schiller-Denkmal vor dem Deutschen Nationaltheater. Dann zu Schillers Wohnhaus und unweigerlich zum Goethehaus am Frauenplan. Vielleicht noch auf den Markt und zum Burgplatz vor dem Schloss?

Das sind Stationen eines flüchtigen Blicks. So lässt sich die Stadt nie begreifen. Aber es gibt noch ein anderes Weimar zu entdecken. Wie zum Beispiel die alte Jakobskirche, in der Goethe geheiratet und auf deren Friedhof Schiller seine erste Ruhestätte gefunden hat. Hier in den zahlreichen Gassen ist das alte Weimar zu Hause mit seinen schiefen Häusern und buckligen Pflastern. Die Winkel rings um die Stadtkirche St. Peter und Paul auf dem Herderplatz waren lange vor der goldenen Klassik Mittelpunkt der Stadt. Bach spielte hier die Orgel, und Herder hielt die Predigten.

Ruinen im Ilmpark Von hieraus führen Vorwerksgasse und Mostgasse direkt zum Burgplatz vor dem Schloss. Drinnen kann man im Museum die wunderbaren Cranachs und die Ikonensammlung bewundern. Weiter geht es über die Kegelbrücke in den Ilmpark. Zuvor noch ein Blick nach links zum Goethe-Schiller-Archiv.

"Bornierte Gemütlichkeit im Schatten großer Kulturen, das scheint deutschen Kleinbürgern besonders zu gefallen", kommentierte der Historiker Volkhard Knigge seinen Eindruck von Weimar. Hier im Ilmpark spürt man dies besonders.
Die Menschen befällt ein nahezu unbeschreibliches Gefühl von Freiheit und Zufriedenheit. Flanierende Menschen vor Goethes Gartenhaus, im Hintergrund das Schloss und klassizistische Fassaden. Studenten sitzen im Gras und genießen die Sonnenstrahlen, mit denen sie ihre Körper bräunen.

Römisches Haus Ein älterer Mann lehnt sich an einen Baum, der ihm Schatten spendet. In seinen Händen hält er ein Buch, dass er gerade liest. Plötzlich begreift man: Weimar hat Flair, hat Charme. Wer hier lebt, lebt gern hier.

Weitere historische Stationen bei einer Reise durch Weimar sind das Römische Haus an der Ilm, der historische Friedhof mit der Fürstengruft und der Russisch-orthodoxen Kapelle, das Museum für Ur- und Frühgeschichte oder die Gedenkstätte Buchenwald auf dem Ettersberg außerhalb der Stadt.




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